Wie läuft saLzH für Lehrer? (Hr.Lenz)

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Wie läuft saLzH (Homeschooling) für Lehrer?

Bei einer Umfrage (Evaluation) unter den Lehrkräften der Mierendorff-Schule ergab sich ein weitgehend positives Bild vom Verlauf des schulisch angeleiteten Lernens zu Hause (Distanzlernen / Homeschooling) innerhalb der letzten 2 Wochen. Aber es werden auch Probleme benannt. Diese Art des Lehrens ist ja für uns Pädagogen ein neues Feld und somit extrem arbeitsaufwändig (s. saLzH-Konzept der Mierendorff-Schule). Auch traten unerwartete technische Probleme, wie ein Serverausfall, auf. Es ergeben sich aber auch eine Vielzahl von Möglichkeiten, mal wieder interessante neue Erfahrungen zu machen.
Lest selbst, wie sich saLzH für Lehrkräfte darstellt:

So berichtet Herr Z.:

Hinsichtlich des schulisch angeleiteten Lernens von Zuhause möchte ich trotz der zuletzt aufgetretenen Schwierigkeiten mit der Videokonferenz betonen, dass dies bisher einmalig geschah und ich im Allgemeinen sehr glücklich bin, mit dem Schulplattform IServ arbeiten zu können!

Ich finde, dass vor allem zuvor erstellte Wochenpläne – optimal über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen – die Arbeit im „SaLzH-Modus“ deutlich vereinfachen. Ich wage sogar die Behauptung aufzustellen, dass die genannten Pläne eine wesentliche Grundlage bilden, da diese wenig Raum lassen für Zufälligkeiten. Die Elternschaft meiner Klasse gaben mir diesbezüglich bereits positives Feedback. Auch die Materialbeschaffung (Menge der Arbeitsblätter, Arbeitsaufträge) spielen für das Lernen von Zuhause eine wichtige Rolle. Die Phasen des schulisch angeleiteten Lernens von Zuhause sollten eventuell sogar einen wiederholenden Charakter haben. Das heißt konkret: Inhalte sollten nicht neu eingeführt werden; vielmehr sollten bereits bekannte Arbeitsaufträge erneut Verwendung finden.

So einen Wochenplan stellt Herr R. übrigens in der Form eines Padlets ein; vielseitige Aufgaben, angerichtet mit einer Prise Humor:

Frau D.:

Das ist eine gute Idee, eine Art Evaluation anzuregen! Meine persönlichen Erfahrungen: Bereits in der 2.Klasse haben wir recht gute Erfahrungen im Rahmen von Videokonferenzen gemacht, die zweimal/Woche stattfinden. Im Kleingruppenmodus (Gruppe A/B) für ca 25 min. Dabei treten ca 40-80% der SuS mit uns über diese Ebene in Kontakt. Es geht auch um Inhalte, aber vor allem auch um Austausch: Wie geht es uns, wie komme ich mit dem Arbeitsplan zurecht? Auch gehen wir gemeinsam Deutsch- Inhalte durch und bearbeiten/ wiederholen sie und geben Sprechanlässe. Meine persönliche Erfahrung mit Iserv ist ambivalent. Bis auf einen Versuch hat es mit der Technik und Durchführung der Konferenzen immer gut geklappt. Aber das Hochladen der Präsentationen war oft unvollständig oder hat nicht funktioniert. Schon garnicht wenn man das prophylaktisch einen Abend vorher machen wollte. Ich wollte mal ein Bilderbuch das ich eingescannt hatte hochladen, das hat leider aufgrund des Datenvolumens nicht hingehauen, auch nach Zerstückelung der Dateien und schlechterer Auflösung nicht. Ansonsten fragen wir die Eltern und die Schüler auch regelmäßig nach Feedback über Umfang, Niveau, Schwere der Aufgaben für das Kind, Sorgen…das funktioniert sehr gut finde ich. Ich finde über die Kombination einiger Kommunikationswege nebeneinander und nicht nur durch das bloße Austeilen von ausgedruckten Arbeitsblättern und fertig, sondern Video, Arbeitsblättern, Leseaufgaben und telefonieren-vor allem mit den Familien die nicht online bin den Videokonferenzen in Erscheinung treten- hat man das Gefühl man ist so am Großteil der Klasse dran.Am Freitag versuche ich auch mal eine kleine Sporteinheit über die Konferenz (eben im Kleinen), mal sehen, wie das funktioniert.Unserer Erfahrung nach haben die Familien sehr viel am Hut und sind mit den Aufgaben eher überlastet was den Umfang angeht, so dass wir immer sagen, nach den Hauptfächern Deutsch und Mathe laufen die Arbeitsaufgaben bspw. für Sport, Kunst und Musik eher als Angebot bei Bedarf.

Es kommen aber auch kritische Stimmen auf, wie die von Frau K.:

Ich finde es immer noch unglaublich schwierig alle S* zu erreichen. Obwohl in Quarantäne (vor und während des Lockdowns), rufen die S* und die Eltern ihre E-Mail nicht ab.Teilweise sind die S* telefonisch nicht erreichbar und wenn sie es sind und am Telefon „versprechen“ in Ihre Mail zu schauen, bekomme ich die erledigten Aufgaben trotzdem nicht zugeschickt.Das ist wirklich kräftezehrend! 

Auch von Frau S., die erste Lehrerin, die an unserer Schule Videokonferenzen durchführte, kommt ein nachdenklicher und gerade deshalb beeindruckender Bericht:Ich bin eigentlich sehr zufrieden mit dem Verlauf von saLzH. Lediglich der Zeitaufwand ist sehr groß. Ich habe sehr engagierte Eltern und tolle, sehr fleißige Schüler und Schülerinnen,Ich arbeite mit Wochenplänen, auf denen Pflicht und Zusatzaufgaben ersichtlich sind. Außerdem gibt es noch Zusatzaufgaben und spezielle Arbeitshefte für die noch schnelleren Kinder. Die Aufgaben müssen täglich geschickt werden. Die meisten machen mit. Mehr als 3 Tage vergehen selten, ehe die Antworten zugesendet werden. Die Kinder bekommen täglich eine Auswertung mit Lob und Berichtigungshinweisen, wenn nötig (Feed Back.

Täglich gibt es zu jedem Fach eine Sprachinformation zu Inhalten und Lösungen der Aufgaben und in Textform Seite und Nummer, der zu behandelnden Aufgaben. Außerdem dient sie der Motivation.Videokonferenzen zu festen Zeiten 10.00, 11.00, 11.45 und 17.00 Uhr für Kinder der Notbetreuung. Die VK finden als Gruppenkonferenz als auch als Einzelkonferenz für Förderschüler, statt. Höchstbeteiligung war 9. Mehr ist für eine erste Klasse nicht ratsam. Die Kinder kommen sehr gut zurecht.Die Mathekonferenzen finden im Moment für die 1a und 1d statt, da ich in beiden Klassen unterrichte. In Mathe besprechen wir nur die Aufgaben aus dem Lehrbuch. Es hilft den Kindern. In Deutsch liest jeder aus seinem eigenen Buch vor und wir schreiben einzelne Wörter als Diktat. Es sind die Wörter, die behandelt werden. Ich bin auch mit Vorlesen dran.Ab dieser Woche biete ich Sachunterricht an – Haustiere. Es gibt einen Vortrag als Sprachmemo und Forschungsaufträge. Dazu eine VK. Die Sportlehrerin hat Links zu Internetseiten geschickt, die täglich wechseln und zum Sporttreiben aufgerufen.

Dazu wird in der Anton App gearbeitet und kontrolliert.Wenn Eltern interessiert und unterstützend mitwirken und die erforderliche Technik besitzen, ist einiges machbar. Ohne Unterstützung der Eltern ist wenig machbar. Eltern, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, können kaum helfen.Die Erzieher in der Notbetreuung helfen engagiert mit und organisieren Zeitfenster zum Arbeiten und für die Teilnahme an Videokonferenzen.Das Ganze ist nur durch einen sehr hohen Zeitaufwand möglich. Ich betreue 36 Kinder. Für jedes Kind 10 Minuten am Tag Kontrolle und Auswertung, Listen führen gleich 360 min durch 60 gleich 6 Stunden am Tag, dazu VK und Vorbereitung der Wochenpläne, Elternanfragen, Austausch mit Kollegen, Mail der Schulleitung u.s.w. Das ist nur möglich, weil ich keine eigenen Kinder habe, einen Mann, der mich in allem unterstützt, eine Supertechnik mit Arbeitszimmer vorhanden ist und ich eine tolle Schulklasse habe. Zum Nachahmen nicht unbedingt geeignet! Ich bin froh, wenn die Zeit des Lockdown vorbei ist!

Von einer faszinierenden Idee berichtet Herr G., der mit seinen S_S während der Videokonferenzen auch gemeinsam singt:

Pro Lerngruppe treffe ich mich einmal pro Woche mit meinen SuS zu einer Videokonferenz auf IServ. Es geht vor allem um ein psycho-soziales Lernen und Abholen der SuS. Wir führen auch die im Präsenzunterricht praktizierten Rituale wie „Stille zum Gongschlag“ am Anfang, Befindlichkeitsrunde mit Smiley-Gesichtern und Segensritual mit gemeinsamen Gesten am Schluss durch. Das macht den SuS Freude, weil es vertraut ist und Gemeinschaft stiftet über die soziale Trennung hinweg. Und – wir singen auch. Das machen die SuS erstaunlich selbstverständlich und gerne mit. Inhaltlich bearbeiten wir Fragen, Arbeitsblätter, Einblendungen per Unterrichtsgespräch und halten Arbeitsergebnisse fest. Es ist insgesamt eher ein Überbrücken, ein Kontakthalten, mehr Beziehungsarbeit als inhaltliches Lernen. Das ist eher eine Chance im Religionsunterricht derzeit. Ich bin aber erstaunt/erfreut darüber, wie aktiv und konstruktiv die SuS das Angebot annehmen und mitmachen.  

Frau Y:
Ich erlebe SaLzH -die Zweite diesmal etwas entspannter, da wir ja zum Glück schon etwas Vorlauf hatten und viele Dinge, die im ersten Lockdown stockend liefen, jetzt optimiert werden können:Die Videokonferenzen in meiner zweiten Klasse laufen wie geschmiert: Wir lesen, lösen Quiz zusammen und die Kinder stellen Fragen zu den Aufgaben.

Natürlich ist es für die Eltern zu Hause überhaupt nicht einfach! (Auch ich bin Mutter eines 2. Klässlers). Das erfahre ich durch die Nachfragen per Telefon, aber immerhin ist nun auch mal Zeit für ein längeres persönlicheres Gespräch! Die Kinder vermissen sich gegenseitig, das gemeinsame Lernen und Spielen. Das können Eltern nicht ersetzen. Die geschilderten Geschichten sind schön, aber auch oft traurig, weil immer wieder zutage kommt, welch wichtige Stellung Schule im Tagesrhythmus jedes einzelnen hat… Sicherlich: SaLzH könnte noch besser laufen. Wenn alle Lernenden und Lehrenden über das notwendige digitale Equipment verfügen würden. So sind es Angebote und meist muss parallel analog versorgt werden. Aber wir schaffen das! Es ist ja erst der zweite Lockdown… sicherlich gibt es noch einige Gelegenheiten für Optimierung…:-( … 

So, liebe Leser, das war also ein kleiner Einblick in die Welt seitens der Lehrerschaft.
Fazit: Es geht voran, aber wir wünschen uns alle sehnlichst den normalen Schulalltag mit seinem Präsenzunterricht zurück!
Euer M. Lenz

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