Mut & Menschlichkeit

[Gesamt:5    Durchschnitt: 4.8/5]

Mut & Menschlichkeit

Otto Weidt. Wer ist das? Ein Schauspieler, Maler, Sänger, Musiker, Künstler, Designer oder Koch?
Nein. Eigentlich ist (war) Otto Weidt ein ganz normaler Mensch. Aber eben nur EIGENTLICH, denn sein Mut und seine Menschlichkeit waren besonders.

Lieber Leser, liebe Leserin, begleitet uns auf unserer Reise ins Berlin der Nazizeit und lernt Otto Weidt oder „Papa Weidt“ – wie er auch genannt wurde – kennen.

Bericht:

Wir, die Klasse 4b, gelangen mit Bus und S-Bahn nach Berlin Mitte zum Hackeschen Markt. Nach ca. 5 Minuten Fußweg erreichen wir eine Toreinfahrt: die Rosenthaler Straße 39. Eine Gedenktafel auf dem Boden am Eingang weist uns den Weg.
Das Tor führt uns in einen langen, schmalen Hof, eher unaufgeräumt, über und über mit Graffiti bemalt, brökelndem Putz und alten Häuserfassaden. Sind wir hier richtig? JA!
Denn genau hier befand sich die Blindenwerkstatt Otto Weidt. Heute befindet sich in den Originalräumen das „MUSEUM Blindenwerkstatt Otto Weidt“. Über eine schmale Treppe gelangen wir in den 1. Stock des alten Hauses. Zu beiden Seiten erstrecken sich die Museumsräume. Unsere Workshopleiterin empfängt uns verschnupft, aber sehr freundlich. Wir legen unsere Sachen ab und setzen uns auf kleine Hocker in einen großen Kreis.

Nach einem kleinen „Aufwärmspiel der Gemeinsamkeiten“ sprechen wir über die Nazizeit: über Adolf Hitler und seine Nazipartei, über jüdische Menschen und Hitlers Hass auf sie, über das, was Juden alles nicht mehr tun durften … und über sehr mutige Menschen, die sich Hitler und seinen Helfern entgegenstellten.

Wir lernen das Kinderbuch „Papa Weidt“ kennen. Wir tauchen ein in die Zeit des 2. Weltkriegs und in das Leben einiger Menschen – blinder Menschen, denn Otto Weidt war ein deutscher Unternehmer, der selbst blind war, und eine Blindenwerkstatt leitete.

Dort stellten seine Angestellten Bürsten und Besen her. Fast alle seiner Mitarbeiter waren ebenfalls blind, viele davon waren Juden.

Immer wieder erhielt Otto Weidt „Besuch“ der GESTAPO (Geheime Staatspolizei), die mehrere seiner jüdischen Arbeiter grundlos abholte und in Konzentrationslager bringen wollte. … Und immer wieder gelang es Otto Weidt durch Mut und Geschick und viele kleine „Geschenke“ die Gestapo-Leute davon zu  überzeugen, dass er diese Arbeiter*innen dringend brauche und nicht auf sie verzichten könne. Immer wieder rettete er durch seine mutigen Verhandlungen viele Menschenleben. Einmal, so erfahren wir, holte ein Möbelwagen alle seine jüdischen Mitarbeiter*innen ab, um sie in KZs zu deportieren. Auch hier setzte sich Otto Weidt ohne Rücksicht auf seine eigene Person ein und rettete alle seine Arbeiter*innen.

Er versteckte sogar ein 3/4 Jahr die jüdische Familie Horn (4 Personen) in einem geheimen Raum in seiner Blindenwerkstatt. Er versorgte sie mit Essen, Kleidung, Büchern… Man gelangte nur durch einen Kleiderschrank, dessen Rückwand rausgetrennt worden war, in das Geheimversteck. Leider wurde das Versteck verraten, die Familie festgenommen und im KZ Theresienstadt ermordet…

Auf unserer Zeitreise erfahren wir viel über das Leben und die tägliche Angst der Menschen, verhaftet, eingesperrt und ermordet zu werden. Wir erfahren aber auch, dass es Menschen wie Otto Weidt gab, die ihr eigenes Leben riskierten, um andere Leben zu retten.

Wir begeben uns auf  Spurensuche im und außerhalb des Museums. Wir besuchen den Ort, an dem Otto Weidt alle seine „abgeholten jüdischen Arbeiter*innen“ wieder zurückholte. Wir schauen in das Geheimversteck und können nur erahnen, wie sich die Familie Horn gefühlt haben muss in diesem kleinen, stickigen Raum ohne Fenster – immer mit der Angst, entdeckt zu werden. Wir betrachten ein Foto, auf dem alle Mitarbeiter*innen der Blindenwerstatt zu sehen sind und entdecken mittendrin – ganz bescheiden und unauffällig – den HELDEN OTTO WEIDT.

Nachwort:

Es war ein sehr interessanter und emotionaler Ausflug. Das Feedback meiner Schüler*innen war durchweg positiv. Ein lohnenswerter Besuch, der noch lange nachwirken wird.
Hätte es Menschen wie Otto Weidt nicht gegeben, …

T. Szczypienski

Lehrerin

PS. Wie immer gibt es  einige Fotoimpressionen

Es befinden sich keine Bilder in dieser Galerie.

Leave a comment

Vor Absenden deiner Meinung: Bitte Rechenergebnis hier unterhalb links eintragen! (Spamschutz!) Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.