Soziale Kompetenzen/Sachsenhausen

[Gesamt:4    Durchschnitt: 5/5]

„Geschichte begreifen heißt Geschichte erleben“

Im Rahmen unserer drei Projektttage zur „Sozialen Kompetenz“ nahm meine Klasse 6a am Projekt „Sachsenhausen“ teil.
Darüber will ich euch & Ihnen berichten.

Montagmorgen. Noch leicht müde, aber erwartungsvoll und neugierig, begrüßten mich meine Schülerinnen und Schüler der 6a. Was werden die drei Projekttage bringen? Was werden wir erfahren? Wie sieht es im ehemaligen KZ Sachsenhausen aus?
Diese sowie viele andere Fragen standen meinen Schülern ins Gesicht geschrieben. Auf viele Fragen suchten und fanden wir Antworten, aber manche Fragen blieben auch unbeantwortet.
Wie können Menschen anderen Menschen so etwas Furchtbares antun?

Unsere Reise in dieses schwarze Kapitel deutscher Geschichte begannen wir mit einer zeitlichen Einordnung anhand von Fotos aus Kindertagen – damals und heute. Eine Zeitliste machte deutlich, wann welche Ereignisse stattfanden.
Wann kamen die Nationalsozialisten unter Führung Adolf Hitlers an die Macht? Wann war die Reichsprogromnacht, in der viele jüdische Geschäfte systematisch zerstört wurden? Wann begann der Zweite Weltkrieg und wann endete er?
Anhand von Fotokopien, die Situationen und Ereignisse dieser Zeit wiederspiegelten, setzten sich die Schüler damit auseinander, beschrieben ihre Gefühle und Empfindungen beim Betrachten der Fotos.
Nun wurde der Focus auf sechs ehemalige Häftlinge gerichtet, die im KZ Sachsenhausen inhaftiert waren. In Gruppenarbeit erstellten die Schüler sehr eindrucksvolle Plakate, die einen kleinen Einblick in das Leben und das Schicksal dieser sechs mutigen Männer geben. Drei dieser nunmehr sehr betagten Herren leben heute noch.

Aber was war eigentlich ein KZ? Wer wurde dort eingesperrt und warum? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich die Schüler eingehend und stellten ihre Ergebnisse in der Klasse vor.

Der zweite Projekttag stellte einen ganz besonderen Tag dar. Wir besuchten die Gedenkstätte in Sachsenhausen. Einiges hatten meine Schüler bereits am Vortag erfahren, viele weitere Informationen kamen hinzu. Aber das Besondere waren vielleicht nicht in erster Linie die Informationen, sondern das Erleben und das Empfinden in der Gedenkstätte:

– ein Ort stillen Gedenkens.
– ein Ort unvorstellbaren Leides.
– ein Ort unmenschlicher Grausamkeit von Menschen an Menschen.
– ein Ort der Hilfslosigkeit und Verletzung der Menschwürde.
– ein Ort der Trauer und Traurigkeit.

Aber auch
– ein Ort der Hoffnung, dass die Menschen gelernt haben, dass sich
soetwas nie wiederholen darf.
– ein Ort gegen das Vergessen.
– ein Ort mutiger Menschen, die uns heute noch davon berichten.

In Gruppenarbeit lernten die Schüler verschiedene Bereiche des Lagerlebens kennen. Unsere Plakate berichten eindrucksvoll darüber.

Der dritte Projekttag war ebenfalls noch einmal ein ganz besonderer, denn wir bekamen Besuch von einem sehr liebenswerten älteren Herrn. Kurt Müller, ein Zeitzeuge, erzählte uns von seiner Kindheit und Jugend in Schmachtenhagen bei Oranienburg, unweit des KZ Sachsenhausen. Jede Frage wurde beantwortet. Meine Schüler hingen an seinen Lippen und verfolgten seine überaus anschaulichen und interessanten Schilderungen, wie er den Krieg als junger Mann erlebte (er war 11 Jahre alt, als der Krieg begann), seine Freundschaft zu David, einem jüdischen Jungen aus dem Heimatdorf, sein Leben nach dem Krieg…
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal ganz herlich bei Frau Fritzke von der Gedenkstätte Sachsenhausen und Herrn Kurt Müller bedanken, der trotz seines nicht so guten Gesundheitszustandes zu uns nach Charlottenburg gekommen ist.

Dieses Projekt war eine Bereicherung in jeder Hinsicht – informationstechnisch, aber auch ganz besonders wertvoll für Herz & Seele!!

DANKE!

T. Szczypienski